ERISKIRCH - Die Verlagerung des Obstmarktes Spanagel erweist sich mehrundmehrals schwieriges Vorhaben. Geht es nach den Ergebnissen eines Verkehrsgutachtens, den Wünschen von Firmenchef und Gemeinderat, ist die Sache klar: Der Markt zieht um an den Rand des Seewaldes, neben die Auffahrt zur B 31. Das wäre aber nicht mit dem Regionalplan vereinbar.
Von unserem Redakteur Jens Lindenmüller
Der aktuelle Standort des Obstmarktes mitten in Eriskirch hat keine Zukunft mehr. Zum einen sind die räumlichen Gegebenheiten zu beengt, zum anderen würden sich auch die Nachbarn freuen, wenn keine Lastwägen mehr vor der eigenen Haustüre vorbeifahren würden. Für Firmenchef Josef Spanagel kommt nur ein Umzug auf die „grüne Wiese" in Frage, dorthin, wo der Betrieb in den nächsten 40 Jahren wachsen kann und wo es eben keine Nachbarn gibt, die man stören könnte.
Am liebsten in Eriskirch
Als „alter Eriskircher" bliebe Spanagel auch am liebsten in seiner Heimatgemeinde - zumal das auch unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten Sinn machen würde: An möglichen Alternativ-Standorten in der näheren Umgebung gibt es bereits Obstgroßmärkte (zum Beispiel in Kressbronn oder Meckenbeuren). „Man kann eine katholische und eine evangelische Kirche in einer Gemeinde haben, aber keine zwei Obstgroßmärkte", konstatierte Dr. Egon Treyer, der Geschäftsführer der Marktgemeinschaft Bodenseeobst, in der jüngsten Sitzung des Eriskircher Gemeinderates. Der eine Markt würde den anderen „kaputt" machen. Von Seiten der Gemeinde sähe man es mit Blick auf Gewerbesteuer und Arbeitsplätze freilich ebenfalls am liebsten, wenn der Obstmarkt Spanagel in Eriskirch bliebe. Zwei mögliche Standorte standen zuletzt im Raum: nördlich von Mariabrunn oder eben zwischen Schüssen und Seewald an der B 3.1. Josef Spanagel würde, wie er in der Sitzung äußerte, letzteren Standort bevorzugen, weil er hier das geringste Konflikt- und das beste Wachstumspotenzial sieht.
"Äußerst sensibler Bereich"
Auch ein Verkehrsgutachten, das Josef Spanagel gemeinsam mitderGe-meinde Eriskirch und dem Regionalverband Bodensee Oberschwaben in Auftrag gegeben hat, spräche dafür. Das Gutachten der Modus Consult Ulm GmbH ergab, dass die Verkehrsbelastung auf der Mariabrunner Straße bereits jetzt sehr hoch ist und bei einer Verlegung des Obstmarktes in den Norden von Mariabrunn an den Rand der Zumutbarkeit steigen würde. Letztlich ist dieser Standort nur aus dem regionalplanerischen Blickwinkel - heraus zu bevorzugen. Denn wie Stefan Saeger vom Regionalverband erklärte, sei das Grundstück neben Seewald und B 31, auf dem Josef Spanagel gerne bauen würde, im Regionalplan als Grünzug ausgewiesen. Das heißt, dass dieser „äußerst sensible Bereich" von einer Bebauung frei zu halten ist. Für die Pläne von Josef Spanagel sei das ein großes Hindernis, so Saeger. Um von den Zielen des Regionalplanes abzuweichen, müssten wichtige Gründe vorliegen. Ob dies im vorliegenden Fall so zu bejahen ist, gilt es nun zu prüfen. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung jedenfalls mit einem einstimmigen Beschluss damit, das weitere Verfahren einzuleiten und einen Antrag auf Abweichung von der Zielsetzung des Regionalplanes zu stellen.