ERISKIRCH - Die Freude über die neue B31 währte nur kurz, zumindest in den Teilorten Mariabrunn und Tannösch. Die direkt betroffenen Anwohner klagen bereits jetzt, in der im Vergleich zum Sommer eher verkehrsarmen Zeit, über eine Lärmbelästigung, die in diesem Ausmaß offenbar niemand erwartet hatte. Anfang des Monats haben sie nun eine Bürgerinitiative gegründet und bislang rund 200 Unterschriften gesammelt - für den Bau von Lärmschutzwänden oder -wällen.
Von unserem Redakteur Jens Lindenmüller
Dass die Umgehung notwendig war, bezweifeln die Anwohner keineswegs. Im Gegenteil: "Wir stehen zu 100 Prozent hinter der Straße", sagt Manfred Bertele, der Sprecher der Bürgerinitiative. Aber während die neue B31 das eine Problem gelöst habe, bringe es ein anderes mit sich - nach dem Motto "vom Stau zum Lärm". "Obwohl wir jetzt Anfang Januar ein geringes Verkehrsaufkommen haben, ist der Lärm nach ersten Messungen beträchtlich", klagt Bertele. Beheben ließe sich das Problem nach seiner Ansicht durch den Bau von Lärmschutzwänden oder -wällen. Bertele: "Es wurden keine Kosten gespart, um zum Beispiel eine Froschschutzbarriere zu errichten oder den Fußballplatz mit einem hohen Ballschutzzaun zu versehen. Für den Lärmschutz ist dagegen gar nichts getan worden." Zudem habe man offenbar am Straßenbelag gespart.
267 Unterschriften gesammelt
Mit seiner Forderung nach Schutzmaßnahmen steht Manfred Bertele nicht allein. Fast alle Anwohner, die von ihm und den weiteren Initiatoren der Bürgerinitiative angesprochen wurden, haben diese mit ihren Unterschriften untermauert. Sogar einige Anwohner der alten B31 zeigen sich solidarisch und unterstützen die Initiative,obwohl Bertele und seine Mitstreiter eigentlich bewusst - um glaubwürdig zu sein - nur an jene Bürger herangetreten sind, die vom Lärm tatsächlich betroffen sind.
267 Unterschriften hat die Initiative "Bürger für Lärmschutz" bis gestern Abend gesammelt. Die werden Bürgermeister Markus Spieth übergeben, der sie an die zuständigen Behörden weiterleiten soll. Derzeit weilt Spieth im Urlaub, doch in einem Vorab-Gespräch habe er seine volle Unterstützung zugesagt, so Bertele. mit Hartmut Kohler, dem Leiter des Straßenbauamts Überlingen, will Markus Spieth sich demnächst zusammensetzen, um das Problem zu erörtern. Ob dabei allzu viel herauskommt, ist fraglich, verweist Kohler doch bereits auf den Planfeststellungsbeschluss, der für eventuelle Entscheidungen hinsichtlich Lärmschutzbauten maßgebend ist. Befürchtungen hinsichtlich Lärmbelästigung hatte eine frühere Bürgerinitiative zwar bereits im Planfeststellungsverfahren geäußert. Daraufhin hatte das Straßenbauamt allerdings Berechnungen vorgelegt, die besagten, dass der Lärm erträglich sein werde. Das müsste nun objektiv widerlegt werden, um Lärmschutzmaßnahmen durchsetzen zu können. Was wiederum nicht in den Zuständigkeitsbereich des Straßenbauamtes fällt, wie Kohler erklärt, sondern in jenen des Regierungspräsidiums. Dort müsste man darüber entscheiden, ob ein neues Gutachten erstellt wird. Mit einfachen Messungen ist es laut Kohler nicht getan, da diese nur momentaufnahmen darstellten, die durch mehrere Faktoren beeinträchtigt sein könnten und von daher nicht repräsentativ sind.
Falls das Regierungspräsidium keinen Bedarf für ein neues Gutachten sehen sollte oder ein solches die Berechnungen des alten Gutachtens bestätigt, bliebe nur nch eine Möglichkeit: Die Gemeinde könnte auf eigene Kosten Lärmschutzmaßnahmen ergreifen.